Miriam Schneider

UNKLE - „Rabbit in your headlights“ (1998)

1. Das Video „Rabbit in your headlights“, 1998 (4:99)
1.1 Handlung
Das knapp fünfminütige Video beginnt mit einer Einstellung von einem Lenkrad auf dem jemand mehrere Male wild hupt.
Kurz darauf sehen wir ein Auto auf uns zu fahren - vermutlich der eben Hupende. Wo das Geschehen stattfindet wird jetzt in dieser Einstellung deutlich: Ein großer zweispuriger Autotunnel.
Die Perspektive wechselt erneut und der Betrachter bekommt jetzt das Objekt des Anstoßes von hinten in der Halbtotale gezeigt: Wir sehen einen Mann - befinden uns jetzt also in Position des Autofahrers- der mit einem grau-grünen Parker begleidet, die weite Kapuze über den Kopf gezogen, mitten auf der Straße stur geradeaus läuft.
Kurz sehen wir das Portrait dieses Mannes von vorne (Bild 1), können beobachten wie das Auto an ihm, die Gegenspur schneidend vorbeifährt, um dann gleich wieder in die Position des Autofahrers selbst zu schlüpfen und den Mann im Seitenspiegel kleiner werdend nachzusehen. (Bild 2)
Jetzt setzt zu dem ruhigen Klavierintro der Gesang Thom Yorkes ein und man bekommt das Gesicht des Mannes im Parker im Profil zu sehen. Kurz im Irrglauben der Mann selbst würde die Worte „I‘m a rabbit in your headlights“ singen, da wird man dem Genuschel des Protagonisten gewahr, das sich zeitweise immer wieder in wütendes Brüllen steigert. Eine Totale des stoisch vorwärts taumelnden, um sich schlagenden Mannes von vorne zeigt dem Betrachter erneut die befahrene, verkehrreiche Straße.
Eine Ansicht wie aus einem Autofenster nach draußen, führt einem dann die gefährliche Situation noch einmal vor Augen. Eine kurze Einstellung des Mannes von vorne macht jedoch klar, dass diesen dies nicht zu stören scheint bzw. er dies überhaupt nicht wahrnimmt.
Und dann passiert das, was man die ganze Zeit schon kommen gesehen hat:
Von hinten sieht man, wie der Mann von dem vorbeifahrenden Auto erfasst und auf die Gegenfahrbahn geschleudert wird. (Bild 3)
Dort nähert sich schon ein weiteres Auto, welches ihn aber lediglich hupend passiert.
Ein Blick in das ausdruckslose Gesicht des Unfallopfers lässt einen schon annehmen es sei tot (Bild 4), da rappelt sich der Mann wieder auf und läuft weiter, als sei nichts geschehen.
Eine weitere Einstellung zeigt wiederum den Blick in ein Auto hinein. Auf der Rückbank schaut ein Mann dem um sich Schlagenden hinterher und scheint der Einzige zu sein,
der einschließlich seiner anderen Mitfahrer Notiz von ihm nimmt. (Bild 6)
Dann wird der Mann, der Worte wie „...not-but is...“ regelrecht auskotzt plötzlich von einem ihm entgegenkommendem Auto frontal erfasst und wieder an den Straßenrand geschleudert. Der Fahrer, den man nur kurz zu sehen bekommt, schaut nur unbeteiligt aus dem Seitenfenster auf den Zusammengekrümmten. (Bild 7, 8)
Wieder eine Einstellung seines Gesichtes im Portrait macht einem klar, dass der Mann anscheinend unverletzbar ist, er murmelt weiterhin unverständliche Worte, rappelt sich erneut auf, während ihn, von ihm unbemerkt, weitere Autos umfahren und läuft weiter.
Ein weiteres Auto kommt von hinten und scheint ihn erst zu passieren, verlangsamt aber sein Tempo. Der Fahrer und sein Beifahrer lehnen sich aus dem Fenster und fragen wo er hin möchte. Als der Mann aber ihrer ungeachtet stur weiterstrauchelt und sie überhaupt nicht wahrzunehmen scheint, beschleunigen sie wieder ihr Tempo lassen ihn mit den ironischen Worten: „Nice Go.“ hinter sich. (Bild 9)
Da wird er auch schon wieder frontal von einem weiteren Auto erwischt und durch die Luft geschleudert. (Bild 10, 11)
Wieder kommt er diesmal schneller auf die Beine, taumelt aber diesmal stärker. (Bild 12) Wie durch seine Augen sehen wir den Tunnel vor uns schwanken. (Bild 13)
Der Mann schlägt sich die Hände vors Gesicht und wirkt in seinem Gemurmel immer verzweifelter. Wieder wird er von einem Auto, diesmal von hinten erwischt (Bild 15), steht erneut auf und läuft begleitet von einem Hupkonzert weiter um kurz darauf ein fünftes Mal von einem Auto erfasst zu werden. Er steht auch diesmal wieder auf, fängt aber an seinen Parker auszuziehen. (Bild 16) Diesen auf Straße geschleudert zurückgelassen läuft er nun mit nacktem Oberkörper weiter. (Bild 17) Man sieht noch wie der Parker von einem Auto überrollt wird (Bild 18), da bleibt der Mann stehen und breitet seine Arme aus.
Durch die Frontscheibe des nächsten anfahrenden Autos sehen wir, wie es ihm immer näher kommt. (Bild 20) Der Aufprall des Autos verläuft aber jetzt unerwartet ungünstig für das Auto. Es zerschellt nämlich am Körper des Protagonisten der langsam im Rauch des Unfalls verschwindet ohne seine Haltung zu verändern. (Bild 21/22)

Die Band bzw. die Musiker Thom Yorke, DJ Shadow sowie James Lavelle erscheinen in der Handlung nicht, sind also nur durch Melodie und Text vertreten.
Der Clip ist rein narrativ. Der Rezipient wird in eine laufende Handlung hineingeworfen, der aber ein klares Ende gesetzt wird.

Beim Schauen des Videoclips stellen sich dem Betrachter immer mehr Fragen, die auch am Ende nicht aufgelöst werden und ihn im Gegenteil verwundert zurücklassen.
Einige Fragen, die sich mir beim Anschauen gestellt haben und die ich hier exemplarisch auflisten möchte, sind:
Woher kommt der Mann und wohin ist er unterwegs?
Was murmelt bzw. brüllt er?
Warum reagiert er nicht?
Wogegen wehrt er sich in Gedanken mit seinen Schlägen?
Warum wird er nicht verletzt?
Warum zerschellt am Ende das Auto an ihm?

Diese Fragen kann ich bis jetzt, auch nach unzähligen Malen, die ich das Video gesehen habe nicht beantworten. Um eine eindeutige Antwort scheint es Jonathan Glazer oder auch James Lavelle aber auch nicht zu gehen. Vielmehr geben die Bilder Denkanstöße und lösen Assoziationen aus. Außerdem, und das scheint mir, ist in diesem Videoclip das Wichtigste, geht es vorallem um den Effekt des emotionlen, unmittelbaren Mitterlebens und Mitfühlens der Handlung.
Wie Glazer dies ermöglicht möchte ich nun im Folgenden untersuchen.


2. Analyse
2.1 Die Farben
In dem Videoclip zu „Rabbit in your headlights“ dominieren kalte Farben: Grau-, Grün- und Brauntöne fließen ineinander über und verschwimmen immer wieder im gleißenden Licht der Autoscheinwerfer.
Einzigen Farbkontrast bilden die rotleuchtenden Rücklichter der sich entfernenden Autos.
Die Strasse scheint auf den ersten Blick naß zu sein. Dieser falsche Eindruck wird dadurch unterstützt dass der Mann seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen hat. Außerdem sind die Tunnelwände aus einem reflektierendem Material und sehen ebenso aus, als seien sie feucht. Diese reflektierenden Tunnelwände sind aber vorallem dafür zuständig, dass das Scheinwerferlicht immer wieder blendend zurückgeworfen wird und unterstützt so ebenso die visuelle Beschreibung eines kalten und menschenunfreundlichen Ortes.


2.2 Die Cuts
Die Schnitte ermöglichen dem Betrachter verschiedene Perspektiven auf das Geschehen:
Einmal blickt er durch die Frontscheibe oder das Seitenfenster eines Autos hindurch,

dann schaut er direkt durch die Augen der Hauptperson.

Eine weitere Blickperspektive befindet sich ausserhalb dieser beiden Orte und suggeriert uns direkt neben bzw. vor dem Protagonisten herzulaufen.

Die Subjektive Kamera spielt also bei dem Video eine herausragende Rolle.
Ich habe die Handlung des Videoclip in einem ausführlichen Sequenzprotokoll in Hinblick auf die Perspektiven untersucht, aus denen die Handlung erzählt wird. Dabei deutlich geworden ist, dass etwa ein Viertel aus des Sicht eines Autofahrers gezeigt wird, drei Viertel aus der Sicht eines „Begleiters“, der sich in unmittelbarer Nähe des Protagonisten befindet und ein paar Male sogar der Ego shoot-Effekt eingesetzt wird indem man direkt durch die Augen des Mannes seine Umgebung wahrnimmt.
So ist Jonathean Glazer durch diese wechselnde Perspektiven ein Geniestreich gelungen:
Einerseits fühlt man eine Identifikation mit dem geheimnisvollen Mann durch das unmittelbare Miterleben der Unfälle, andererseits bleibt er bis zum Ende ein Rätsel.
Der Blick aus den Autos heraus könnte man wie eine Frage verstehen, ein Versuch den Protagonisten aus der Distanz heraus zu durchschauen, zu verstehen oder nachzuvollziehen wohin er unterwegs ist. Andrerseits macht der Blick aus dem Auto heraus und das kurze Identifizieren mit einem Autofahrer oder einem Mitfahrer uns ebenfalls zu Tätern.
Diese paradoxen Sichtwechsel verstärken die Hilflosigkeit, die man als Betrachter angesichts der Unfälle verspürt. Einerseits kann man den Mann nicht aufhalten, andererseits die Autos nicht stoppen oder umleiten.
Das versüßt aber umso mehr das Ende des Clips, das wie eine Pointe funktioniert.

2.3 Das Ende
Der Mann befreit sich von seiner Jacke und scheint sich so von den Erniedrigungen und Demütigungen der Unfälle freizumachen.

Absurderweise macht er sich dadurch dass er sich entblößt eigentlich verletzlicher und man hat auch schon vor Augen wie der nächste Unfall aussehen könnte. Diese Vorahnung eines erneuten Unfalls wird auch sofort durch eine Großaufnahme des Parkers genährt, der von einem Auto überrollt wird.

Dennoch habe ich beim ersten Schauen des Clips nicht daran gedacht, dass er sich entblößt um sich endgültig umzubringen, weil es die Male vorher nicht geklappt hat...
Der Mann wirkt sehr entschlossen und trotz nacktem Oberkörper stärker als vorher.
Als man ihn in der Großaufnahme von vorne gezeigt bekommt, wird man sich seiner Verletzungen bewußt und man kann sehen, dass er mit Schrammen und Prellungen übersät ist. Dennoch ist nicht ganz klar, ob die Verletzungen wirklich von den unmittelbar vorangegangenen Unfällen her rühren. Schon am Anfang, vor dem ersten Unfall nämlich fällt einem eine Verletzung am Mund auf. Das wiederum könnnte aber wieder zwei Gründe haben. Entweder die Handlung setzt schon nach etlichen vorangegangenen Unfällen ein oder sie rühren woanderher. Wie auch immer - der Mann bleibt ein undurchschaubares Rätsel. Auch als er dann stehen bleibt, meint man ein Lächeln auf seinem Gesicht ausmachen zu können,

eine Einleitung der darauf folgenden Ereignisse:
Als dann das Auto an ihm zerschellt und er unverletzt stehen bleibt, wirkt das wie ein Triumph nach all den vorangegangenen Unfällen.

Die Schwierigkeit oder Gefahr bei diesem Aufbau des Clips, der so stark auf die Schlußwendung hinarbeitet, ist, dass viele Rezipienten dieses Mediums Musikvideoclip den Schluss deshalb nicht sehen, da sie vor dem Ende schon wieder weiterzappen.
Dann hinterlässt das Video, trotz seiner ästhetischen Qualität, nur den Beigeschmack einer Schockwirkung angesichts der Gewalt die dem Protagonisten entgegengebracht wird ohne Auflösung und ohne Befreiung.


2.4 Die Rolle der Hauptperson in „Rabbit in your headlights“
Jonathan Glazer besetzte die Rolle des rätselhaften Mannes mit dem französischen Schaupieler Denis Lavant. Ein Mann mit einem Charaktergesicht der die Rolle hervorragend ausfüllt.
Eindrucksvoll stellt er einen nach dem äußeren Eindruck abgerissenen Mann dar, der vollkommen in seiner inneren Welt gefangen zu sein scheint. Was ihn dort quält, ob er womöglich unter Drogeneinfluß steht oder psychisch krank ist, kann man nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Unaufhaltsam bestreitet er seinen Weg durch den Tunnel, scheint unverletzlich und emotional abgehärtet angesichts der schweren Unfälle. Zu keinem Zeitpunkt reagiert er auf die Geschehnisse oder die Personen, die ihn ansprechen. Mit sich und einem scheinbar endlosen unverständlichen Monolog beschäftigt setzt er stur seinen Weg einem uns unbekanntem Ziel entgegen fort. Jonathan Glazer beschreibt:
"Ich fand, dass das Rabbit Video einen Dialog brauchte um den Zuschauer mit der Figur zu verbinden. Bilder allein reichten nicht um die ganze Reise zu vermitteln, die der Mann unternimmt. Man muss fühlen oder hören wie sein Gehirn arbeitet. Das war etwas ungewöhnlich, denn viele Künstler würden nicht dulden, dass man sich an der Musik zu schaffen macht. Mir gefällt die Vorstellung, mich in die Musik einzumischen."
Obwohl man also, nicht zuletzt wegen der Unfallgeräusche, und den speciell effects mit dem Mann mitfühlen kann, kommt er uns doch nicht näher und bleibt bis zum Ende ein Geheimnis. Offensichtlich in seiner Darstellung ist die Verbindung zu einer Art Heiligem:
Er bleibt bis zum Ende unverletzt, steht nach den Unfällen immer wieder auf. Außerdem wird er, am Boden liegend, immer wieder regelrecht erleuchtet. So wird er immer wieder im gleißenden Autoscheinwerfer, das über seinem Gesicht oder seinen ganzen Körper aufleuchtet, zur Lichtgestalt, die sich in diesem Moment wieder auf die Beine kämpft, beim Höhepunkt des Refrains, dem Wort „away“ seinen Weg fortsetzt.
Als er sich dann auszieht ist es, als befreie er sich von allem Vorangegangenen, als schmeiße er seine irdische Hülle, die achtlos auf der Straße landet und überfahren wird ab und macht sich bereit für das Kommende. Einer messianischen Lichtgestalt gleich breitet er seine Arme aus, hat endlich verstanden und ist stark genug Gewalt an sich abschmettern zu lassen.


2.5 Der Text von „Rabbit in your headlights“
Den Text des Videoclips möchte ich nicht ausführlich untersuchen.
Er ist sehr poetisch, wortverspielt und metaphorisch gemeint und lässt sich eigentlich kaum mit der Handlung des Videos in Verbindung bringen. Dass aus ihm aber die Verzweiflung eines Unglücklichen und Unzufriedenen spricht, lässt einen den Text dann doch mit der Hauptperson des Clips identifizieren.
Jonathan Glazer meint dazu:
"Der Text eines Liedes ist sehr wichtig, aber er ist nicht mein Ansatzpunkt. Ich denke nicht, dass es eine wörtliche Verbindung zwischen dem Text und der Musik geben muss, dennoch denke ich, dass der Text das Herzstück des Liedes ist, also muss man ihn auch ansprechen. Und manchmal erreicht man dies, in dem man den Text völlig ignoriert, aber er muss einem bewusst bleiben. Es kommt darauf an, ob es eine wörtliche oder eine freie Interpretation werden soll."
Der Titel und der immer wiederkehrende Satz „I‘m a rabbit in your headlights“ inspirierten Jonathan Glazer wohl für die Handlung dieses Clips. In einem Interview im Rahmen der Sendung „Fantastic Voyages“ gab er 2001 ein Interview in dem er über seine Arbeit zu dem Musikvideoclip berichtet. Auf die Frage John, wann fallen dir Ideen für Clips ein? Beziehst du dich sehr auf die Texte eines Songs oder bist du da eher unabhängig? antwortete er:
„Wenn ich ein Musikstück habe, das mich zum Arbeiten anregt, dann wird das Stück normalerweise zu meinem Script. Es sollte eine Art gegenseitiges Entdecken werden zwischen der Bildersprache und der Musik. Bei UNKLE korrespondiert der Titel sehr stark mit der filmischen Idee. Das war einer der Gründe, warum wir es beinahe nicht gemacht hätten, denn es wirkte zu offensichtlich einen Mann vor Autos laufen zu lassen, während das Wort Scheinwerfer im Titel vorkam. Das war fast zu wortgetreu."
Gerhard Bühler schreibt in seinem Buch „Postmoderen auf dem Bildschirm, auf der Leinwand“ unter Insidern werde immer wieder betont, wie falsch es sei, den Inhalt eines Songs mit Bildern zu illustrieren und wie wichtig es sei, nicht literarisch, sondern metaphorisch, metonymisch den Text zu visualisieren. Wie in der Musik selbst gehe es auch in ihrer Präsentation des Musikvideos primär um das Hervorrufen und Vermitteln von Stimmungen und Emotionen.
Tatsächlich resultiert aus dem Umstand, dass das Wort Scheinwerfer im Titel und visuell im Clip eine so große Rolle spielt, dass man den Mann mit einem Kaninchen in Verbindung bringt. Da sich dieses in einem Autotunnel bzw. im Scheinwerferlicht ganz sicher anders verhalten würde, ist man angesichts dieser Verbindung irritiert.

3. Sequenzprotokoll
Sequenz/
Szene Perspektive Handlung Musik
1 # hupende Hände Intro
2 * X Halbtotale von hinten Intro
3 * X Totale von vorne Intro
4 # X im Seitenspiegel Intro
5 * X Nahaufnahme Profil Strophe 1
6 X Halbtotale von vorne “
7 * X “ von hinten “
8 * X Portrait “
9 */# X wird angefahren- Sicht von hinten
wie aus einem anderen Auto herus “
10 * X liegend -Kameraperspektive von unten Refrain
11 * X liegend im Portrait Refrain
wird erleuchtet
12 * X richtet sich auf -Froschperspektive Refrain
13 * Halbtotale von vorne Introthema
14 # aus Auto heraus Introthema
15 * Aufnahme von farbigem Mitfahrer/Rückbank Introthema
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X=Protagonist des Videoclips *=identifizierende Perspektive mit X
#=identifizierende Perspektive mit Autofahrer +=ego shooter

16 # Blick auf X Introthema
17 * X Totale von vorne Strophe
18 * X Potrait “
19 * Totale von der Seite, Unfall 2 “
20 # Aus der Sicht des Fahrers “
21 * Blick von unten auf den vorbeifahrenden Autofahrer “
22 * X liegend, wird erleuchtet Refrain
23 * X Potrait “
24 * X richtet sich auf, Totale von vorne “
25 * X in der Totale läuft weiter Sprechzwischenteil
26 # aus Auto der Jungs heraus “
27 * Auto von außen “
28 # aus Auto heraus “
29 # aus Auto heraus, close up: X im Profil “
30 # X in der Halbtotale “
32 # X von schräg unten “
33 * letzter Blick auf weiterfahrendes Auto “
34 * Totale von X und weiterfahrendes Auto “
35 * close up: X im Portrait Strophe 3
36 * Totale: X von der Seite “
37 * Unfall 3 aus der gleichen Perspektive “
38 * Totale: X kauert “
39 * Close up: Potrait von X “
40 + Schwankender Blick auf Tunnel “
41 * close up: Potrait von X “
42 + Schwankender Blick auf Tunnel “
43 * X im Profil, schlägt Hände vors Gesicht “
44 * Halbtotale von vorne, Autos überholen “
45 # X von hinten “
46 * Unfall 3 von vorne “
47 * X rollt, Perspektive von der Seite Refrain
48 */+ Autos überholen, Blick von unten “
49 * X richtet sich auf “
50 * Totale von vorne: X läuft weiter “
____________________________________________________________________
X=Protagonist des Videoclips *=identifizierende Perspektive mit X
#=identifizierende Perspektive mit Autofahrer +=ego shooter
51 * X im Profil sphärisches Zwischenspiel
52 * Totale: X von der Seite, Unfall 4 “
53 * X liegend, Autos von unten “
54 * overhesdshot von X “
55 * X in der Totale von vorne, richtet sich auf “
56 + schwankender Blick auf Autos “
57 * X im Halb-Profil “
58 * close up: Kapuze von hinten, X zieht sie aus “
59 * Halbtotale: X von vorne, zieht Parker aus “
60 # Parker fliegt uns entgegen “
61 * Auto von vorne “
62 * Halbtotale: X von vorne “
63 * vorbeifahrende Autos, verschwommen “
64 * Halbtotale: X von vorne “
65 * Großaufnahme von X Füßen von der Seite unten “
66 * X Portait “
67 * vorbeifahrende Autos von unten “
68 * Halbtotale: X von hinten Introthema
69 * X bleibt stehen, Halbtotale von vorne “
70 * Parker wird überfahren, Froschperspektive “
71 * Halbtotale: X lächelnd von vorne “
Auto kommt von hinten
72 * Scheinwerfer blenden, kommen näher “
73 # Blick von einer Rückbank eines Autos aus auf X “
74 * seitliche Perspektive Totale, Auto kommt näher “
75 * X und Auto von vorne Introthema+Schlagzeug
76 * Auprall des Autos, Blick von vorne “
77 * X verschwindet im Rauch, Perspektive bleibt “

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X=Protagonist des Videoclips *=identifizierende Perspektive mit X
#=identifizierende Perspektive mit Autofahrer +=ego shooter

4. Gewaltdarstellung und Zensur in „Rabbit in your headlights“
Die Auswahl der Clips übernehmen bei MTV unterschiedliche Abteilungen, die die playlist erstellen.
Das Acquisition Committee (AC) tagt einmal pro Woche und besteht aus 3 bis 10 ständig wechselnden Mitarbeitern. Es sortiert ca. 80% der Neuzugänge aus. Kriterium hierfür ist die Vereinbarkeit mit der Zielgruppe bzw. dem Image des Senders, der produktionstechnische Standart aber auch die Labelzugehörigkeit. Daneben gibt es einige Zwänge durch vertragrechtliche oder werbeökonomische Bindungen.
Ein zweites Komitee überprüft den Inhalt der Clips: Das program standarts and public responsability department schließt anstößige nicht jugendfreie Clips aus. Diese Clips werden zur Nachbearbeitung an die Plattenfirmen zurückgeschickt.
Auch werden die Songtexte einer solchen inhaltlichen Prüfung unterzogen. Werbepartner dürfen ebenso wie das eigene Image nicht angegriffen werden.
Hat ein Clip Auswahl und Zensur überwunden, wird er in die playlist aufgenommen. Jetzt entscheidet wiederum das AC wann und wie oft ein Clip gespielt wird und teilt diese dazu in rotations categories ein. So können etablierte Stars auf heavy rotation (mehrmals am Tag) laufen und Werbeeinnahmen durch hohe Zuschauerquoten garantieren, andererseits bleibt MTVs Image durch unbekannte, neue aber auch nur wenig gespielte Clips erhalten.
Da die Hauptzielgruppe aus minderjährigen Jugendlichen und jungen Heranwachsenden besteht kann man durchaus nachvollziehen, dass die Videoclips Zensurbedingungen unterzogen werden, die sie auf stereotypische Darstellungen von vorallem Frauen, auf Sex und Gewalt untersuchen. So unterliegen alle Teilbereiche vom Text über Cover und Booklets bis hin zu Videoclips vielfältigen Kontrollen, da das junge Klientel als leicht beeinflussbar durch negative Botschaften wie Sex, Drogenverharmlosung oder Gewalt gelten. Auch der Staatsschutz kann ein Grund für Zensur sein, etwa wenn Bands verfassungsfeindliche Parolen oder Symbole verwenden.
Dass dabei Videoclips Zensureingriffen erliegen, die nicht immer ganz nachzuvollziehen sind, scheint im Zuge dessen unvermeidlich.
Jonathan Glazer äußert sich in dem Interview der Sendung „Fantastic Voyages“ über MTV und seine Zensurmaßnahmen folgendermaßen:
"Das Airplay-Problem bei MTV usw. ist, dass sie mehr und mehr zu einer Top40 Playlist mutiert. Zum Beispiel haben sie in England nie "Rabbit in your Headlights" gespielt, aus den außergewöhnlichsten Gründen. Deswegen kann
ich sie doch garnicht ernst nehmen, denn, you know, sie spielen nicht mein Video! Aber sie spielen Britney Spears, weil sie Platten verkauft. Aber das ist doch nicht das, weswegen MTV angefangen hat. Damals war MTV eine Rebellion, mit Erfolg.
Es ist doch eine Schande, dass wir uns diese Top40 Playlist anschauen müssen. Es gibt gute Musik und viele gute Videos, aber die laufen nicht in der Heavy Rotation."
Leider konnte ich nicht herausfinden, was Glazer mit „außergewöhnliche Gründe“ meint
aus denen sein Videoclip in England nicht gezeigt wurde. Mir jedenfalls ist es völlg unverständlich, warum dort „Rabbit in your headlights“ nie auf Sendung ging. Weder ist der Clip gewaltverherrlichend, im Gegenteil sollte die Gleichgültigkeit, mit der die Gewalt an dem Mann ausgeübt wird, einen eher vom Gegenteil überzeugen, noch kann ich eine positive Darstellung des eventuellen Drogeneinflusses des Mannes ausmachen.
Ob die Zensur eher politische Dimensionen hat und der englische MTV-Sender entweder Jonathan Glazer oder UNKLE boykottieren wollte, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Wahrscheinlich ist aber rein die Tatsache, dass Gewalt gezeigt wird, ausschlaggebend dafür gewesen, den Clip nicht zu senden.


5. Jonathan Glazer
Der Brite Jonathan Glazer (*1967), der für den Videoclip von UNKLE Regie führte, gilt seit Mitte der Neunziger als eines der größten Talente in der Werbe- und Videoclip-Branche.
In den Achtzigern noch semiprofessioneller Theaterregisseur, fing er nach zwei Kurzfilmen in der Werbung an. Er inszenierte Clips für Bands wie Radiohead, Blur oder Massive Attack und erhielt 1997 für das Jamiroquai-Video »Virtual Insanity« vier Preise bei den MTV Video Music Awards.
2000 wurde sein Guinness-Spot »Surfer« in Großbritannien von Lesern der »Sunday Times« und Zuschauern des Channel 4 zum besten Werbefilm aller Zeiten gekürt, im Jahr darauf kam Glazers erster Spielfilm in die Kinos: »Sexy Beast« mit Ben Kingsley (der dafür den Europäischen Filmpreis erhielt).
Glazer steht in der Tradition britischer Regisseure wie Ridley Scott, Adrian Lyne und Alan Parker, die in den siebziger und achtziger Jahren über die Werbung zum Kino kamen und rasch in Hollywood Erfolg hatten.
»Wenn der Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer mich bitten würde, 'Armageddon 2' zu drehen, würde ich dafür nicht aus dem Bett steigen«, sagt Glazer. Das klingt großmäulig, stimmt aber. Tatsächlich ließ nämlich der Regisseur nie einen Zweifel daran, dass er nicht bereit ist, sich vorgegebenen Standards unterzuordnen.
Als Glazer vor zwei Jahren das Video zu Richard Ashcrofts »A Song for the Lovers« inszenierte, schreckte er nicht davor zurück, die Musik nahezu eine Minute ausfallen zu lassen - bis die Stille fast unerträglich wurde.
Und während seine Regiekollegen schneller schnitten, als das menschliche Auge sehen kann, erweckte Glazer in »Virtual Insanity« mit Hilfe der Computertechnik den Eindruck, der Clip sei in einer einzigen, minutenlangen Einstellung gedreht worden.
Mit hoch komplexen, teilweise extrem schnell geschnittenen Spots , die der Zuschauer

mehrfach sehen muss, um sie überhaupt verstehen zu können, arbeitete er wiederum bei der Kampagne »Good things come to those who wait« für Guinness, die Glazer Ende der neunziger Jahre filmisch flankierte.
Immer wieder handeln Glazers Arbeiten von Kollisionen, von Dingen, die mit großer Gewalt aufeinander treffen und für die man Mut braucht um sie zu überwinden.

In dem Interview der Sendung „Fantastic Voyages“ spricht er von seinem Videoclip zu »Karma Police« für Radiohead von 1997. Dort folgt ein Auto einem Mann, der nachts eine Straße entlangläuft - es erreicht ihn aber nicht.

In diesem Interview bezeichnet er das Video für Radiohead als eine Art Vorläufer zu dem Videoclip zu „Rabbit in your headlights“. So stellt er fest:
„Lustiger Weise sind die Videos "Karma Police" und "Rabbit in your Headlights" sehr mit einander verbunden. Das Karma Police Video stellte mich nicht so richtig zufrieden, ich habe nicht richtig dafür gearbeitet. Deshalb dachte ich, ich müsste ein Art Remake machen, irgendwie. Also war das Unkle Video im Grunde genommen genau das gleiche, gleiches Thema, ziemlich einfach, nur anders herum."


6. UNKLE
Wo man hinter dem Wort UNKLE eine Band erwartet steht überraschenderweise in erster Linie nur ein einzelner Mann: James Lavelle.
Der Brite wurde 1974 in Oxford geboren und beschäftigte sich schon in jungen Jahren mit Musik verschiedenster Stilrichtungen.

Fasziniert vom Sound von Stevie Wonder, Deep Purple, Afrika Bambaataa und dem losen Wild Bunch-Verbund aus Bristol, begann Lavellle, Platten zu sammeln. Als er mit 15 bei einer Party zum ersten Mal selbst auflegte, verdiente er damit genug Geld, um sich eigene Turntables leisten zu können.
Nachdem ihm Oxford zu klein wurde, ging Lavelle nach London, wo er im Bluebird Recordstore zu arbeiten begann. Seine Spürnase für neue, erfolgreiche Musik war so gut, dass ihn kurze Zeit später das Magazin "Straight No Chaser" bat, für sie zu schreiben.
Mit 16 Jahren begann Lavelle, Clubnächte zu veranstalten und einige Zeit später kam er auf den Gedanken, sein eigenes Plattenlabel zu gründen.
So lieh er sich Geld und gründet e 1993 mit 19 Jahren Mo' Wax.

Nach der Gründung verpflichtete Lavelle seine Lieblingskünstler:
Mark Nishita, Keyborder bei den Beastie Boys und Josh Davis, besser bekannt unter dem Namen "Dj Shadow". Letzterer veröffentlichte seine Single "In/Flux" auf Mo' Wax und läutete damit die Erfolgsgeschichte des Labels ein.
Nach nur einem Jahr bot London Records Lavelle einen Vertrag in Höhe von £25.000 an, um mit Mo Wax zusammen zu arbeiten, doch dieser lehnte ab. Als ein Jahr später dann A&M Records anfragte, stimmte Lavelle einer Zusammenarbeit zu. Die Vertragssumme betrug diesmal £350.000!

Dj Shadow und Lavelle begannen im Laufe der Zeit miteinander zu arbeiten. Unter dem Namen UNKLE arbeiteten sie Mitte der 90er erste Ideen für Songs aus. Beide, vollkommen Vinyl besessen, reizten die Möglichkeiten, mit Samples zu arbeiten, bis zum Letzten aus. Da jedoch keiner von ihnen singen konnte, und vor allem Lavelle auch Live-Musiker auf seiner Platte haben wollte, setzten sich die beiden mit den verschiedensten Musikern in Verbindung: Thom Yorke, Richard Ashcroft, Ian Brown, Badly Drawn Boy und Mark Hollis sind jetzt auf dem Debüt-Album zu hören. Außerdem dabei sind Mike D von den Beastie Boys und Jason Newsted von Metallica.

Die Arbeiten am Album dauerten jedoch länger als erwartet da Shadow und Lavelle sämtliche Stücke einige Male umschrieben. Schließlich kam1998, nach drei Jahren das Album "Psyence Fiction" auf den Markt und landete direkt auf Platz vier der britischen Charts.
Als James Lavelle auf Tour ging, wurde diese vom Publikum teilweise jedoch sehr kritisch betrachtet, als ihnen klar wurde, dass keiner der Gaststars live mit dabei war, sondern nur Lavelle durch die Lande zog. Auch „DJ Shadow“ verabschiedete sich, um in Zukunft wieder alleine zun arbeiten.
Es erschien noch die euphorisch aufgenommene Single "Be There", doch danach wurde es ruhiger um UNKLE. „DJ Shadow“ arbeitetee an seinem nächsten Soloalbum, Lavelle kümmerte sich wieder verstärkt um sein Label und reiste als DJ um die Welt.
Den Gedanken, UNKLE weiterzuführen behielt Lavelle jedoch immer im Hinterkopf. So tauchten 2002 bereits Namen und erste Gerüchte um ein neues Album auf. Teilweise sollten wieder die Künstler des ersten Albums dabei sein, doch dieses Mal wollte Lavelle dem Ganzen einen festeren Bandcharakter verpassen. Richard File, ein enger Freund Lavelles begann deshalb sogar singen zu lernen! Wiederum zogen sich die Arbeiten am Album hin, doch im Herbst 2003 erschien dann "Never, Never, Land". Diesmal wirkten Stargäste wie Massive Attacks 3D, Jarvis Cocker, Brian Eno und Josh Homme von den Queens Of The Stone Age mit.

7. "Psyence Fiction"
Auf dem Album „Psyence Fiction“ spielen James Lavelle als Produzent und DJ Shadow als musikalischer Leiter ihre ganze musikalische Erfahrung aus. Die Grundstimmung ist Trip Hop, doch gibt die Platte einen regelrechten Überblick über die Entwicklung der Musik in den 90 Jahren: Rap, Breakbeats und Off-Beats, verzerrte Gitarren, seufzende Streicher und vorallem viel Elektro. Die Lieder sind alle ziemlich unterschiedlich, jedem Titel merkt man aber die Zusammenarbeit mit dem entsprechendem Musiker der Szene an: Mike D. von den Beastie Boys, Jason Newstead, Thom Yorke von Radiohead, Richard Ashcroft von The Verve, Kool G. Rap.
Jeder steuerte reichlich musikalischen Eigensinn bei und so ist ein sphärisches, und experimentelles Gesamtwerk entstanden.

Psyence Fiction Label: Island (Universal)
1. Guns Blazing (Drums Of Death Pt. 1)
2. U.N.K.L.E. (Main Title Theme)
3. Bloodstain
4. Unreal
5. Lonely Soul
6. Getting Ahead In The Lucrative Field Of Artist Management
7. Nursery Rhyme / Breather
8. Celestial Annihilation
9. The Knock (Drums Of Death Pt. 2)
10. Chaos
11. Rabbit In Your Headlights
12. Outro (Mandatory)
13. Be There
7.1 Der Text
I'm a rabbit in your headlights
Scared of the spotlight
You don't come to visit
I'm stuck in this bed

Thin rubber gloves
She laughs when she's crying
She cries when she's laughing

Fat bloody fingers
Are sucking your soul away

I'm a rabbit in your headlights
Christian suburbanite
Washed down the toilet
Money to burn

Fat bloody fingers
Are sucking your soul away

[Sample from movie Jacob's Ladder:
If you're frightened of dying and
then you‘ re holding on
You'll see devils tearing your life away
But, if you've made your peace
Then the devils are really angels
Freeing you from the Earth... from the Earth]

Rotworms on the underground
Caught between stations
Butterfingers are losing their patience

I'm a rabbit in your headlights
Christian suburbanite
You got money to burn

Fat bloody fingers
Are sucking your soul away...

Literaturliste


Bühler, Gerhard: Postmoderene auf dem Bildschirm, auf der Leinwand. Musilvideos, Werbespots und David Lynchs Wild at Heart, Gardez! Verlag, Sankt Augustin 2002

Neumann- Braun, Klaus (Hrsg.): Viva MTV. suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1999

Quandt, Thomas: Musikvideos im Alltag Jugendlicher, Deutscher Universitäts-Verlag GmbH, Wiesbaden 1997

http:// www.films.pierre-marteau.com/hist_filme/2002_usa_odyssey.html

http://www.popzoot.de/spezial_glazer.php3