Adriana Topolovac "Clipanalyse zu Janet Jacksons `Son of a Gun´"

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung S. 3

Clipanalyse zu Janet Jacksons „Son of a Gun“:
1. Handlungsablauf S. 4
2. Personenanalyse S. 8
3. Interpretation S.11

Literaturverzeichnis S.14

Clipanalyse:

Einleitung

Videoclip: Janet Jackson – Son of a Gun (2001)
Director: Francis Lawrence

Francis Lawrence ist ein renommierter Clip-Regisseur, der schon 81 Videos gedreht hat, u.a. für Jennifer Lopez, Justin Timberlake, Jay-Z, Black Eyed Peas, Aerosmith, Enrique Iglesias u.v.m. 2004 gab er sein Debüt als Kinofilm-Regisseur im Film Constantin mit Keanu Reeves (siehe Anhang; Filmplakat).
Das Video zu Janet Jacksons Song „Son of a Gun“ ist im Jahre 2001 entstanden. Dabei handelt es sich um einen narrativen Clip von 4:18 Minuten Länge, dessen Story sich in einem menschenleeren schlossartigen Hotel (Tiefgarage, Gänge, Küche, Lobby, Toilette) abspielt (siehe weiter unten).
Der Clip wurde meiner Vermutung nach auf Filmmaterial gedreht. Dunkle, bläuliche und kalte Farben dominieren im Clip, was eine bedrohliche und düstere Stimmung erzeugt. Auch das Licht wurde nur sparsam eingesetzt, der Kontrast ist jedoch nicht so stark, vielmehr weich und schmeichelnd.
Die Bilder im Clip laufen rhythmisch mit der Musik zusammen: das Bild ist auf die Musik abgestimmt. Ausserdem wurden einige Szenen im Clip in der Postproduction digital überarbeitet. Der Handlungsablauf ist chronologisch mit einem Zeitsprung. Wir sehen das Ende zuerst, dann den Ablauf und dann wiederum das Ende; die Geschichte wird sozusagen von hinten aufgerollt.


1. Handlungsablauf

Das Handlungsszenario beginnt in einer Tiefgarage, Zeitpunkt und Tageszeit sind unbekannt. Ein junger schwarzer Mann im dunklen Anzug liegt auf dem Boden. Janet beugt sich lächelnd über ihn, wird dann aber ernst. Sie singt ihm fast flüsternd den Teil des Songtextes zu (siehe Anhang). Die Kamera entfernt sich zunächst in raschen Schritten von den Personen zur Totalen: dies erfolgt durch keinen Zoom, sondern durch eine schnelle Abfolge (bzw. schnellen Schnitt) von verschiedenen Einstellungen. Dann kommt die Kamera genauso schnell wieder auf die Personen zurück, bis zur Nahaufnahme von Janets Gesicht.

0:18. Der Zwischentitel 4 minutes earlier (4 Minuten früher) erscheint vor dem Hintergrund der nächsten Sequenz. Die eigentliche Story des Videoclips fängt hier an, bzw. wird nun von hinten aufgerollt.
Diesmal befindet sich der Mann allein in einem Poolhaus und betrachtet sich im Spiegel (ein bekanntes Horror-Element), dabei richtet er seinen Anzug und Krawatte. Hinter ihm steigt eine bizarre (weibliche) Gestalt aus dem Pool. Der Mann bemerkt sie noch nicht. In weiteren Einstellungen sehen wir verschiedene Zimmer diese Hotels. In einem steigt aus einem Flügel, der Mitten im Zimmer steht, eine 2. bizarre Gestalt heraus. Eine 3. erhebt sich aus einem grünen Ledersofa, die 4. aus der Schublade einer Kommode.

0:21. In einer 2. Erzählebene währenddessen, erscheint die Rapperin und Produzentin Missy Elliot in einem fein möblierten Zimmer: sie steigt auf einen Tisch und rappt dabei ihren Part. Erst jetzt erkennt man, dass sich die ganze Handlung in einem schlossartigen Hotel abspielt.
Unterdessen zurück beim Mann, sieht dieser eine Gestalt (die bizarre Gestalt aus dem Pool) hinter sich im Spiegel vorbeihuschen, dreht sich um, erblickt jedoch niemanden.

0:36. Etwas misstrauisch schaut er, denn ein paar Meter neben ihn steht ein Schwein. Es führt ihn durch den Gang zu einem kleinen Holztisch, auf dem ein Computermonitor und eine Tastatur stehen.
Unterdessen ist auch die 5. mysteriöse Gestalt aus einer WC-Schüssel herausgestiegen.
Beim Näher kommen erkennt man eine Webcam am oberen Rand des Monitors montiert, die gleichzeitig den Herankommenden aufnimmt und die Bilder auf den Bildschirm projiziert, während in Grossbuchstaben „YOU ARE A PIG“ über dem Bildschirm flimmert.
0:50. Der Mann schaut erstaunt und verdutzt in den Monitor, dreht sich um und schaut, während die Lichter an- und ausgehen. In einer anderen Einstellungen sehen wir eine von den Gestalten, die eine Tischlampe ein- und ausschaltet.

0:56. Nächste Sequenz: Die Stockwerk-Anzeige des Liftes zeigt an, dass der Lift in Bewegung gekommen ist und vom 7. Stock abwärts fährt. Eine Detailaufnahme zeigt die auf- und ab-Pfeile des Liftes, wobei der untere Pfeil in einem auffälligen roten Licht leuchtet. Der Mann schaut fragend zur Lifttür, die im nächsten Augenblick aufgeht und Janet Jackson erscheint mit einem Baseballschläger in der Hand (0:58). Wir sehen, wie sie auf die Kamera zuläuft, dem Typ hinterher und dabei den Schläger lässig schwingt. In weiteren Nahaufnahmen wird Janet stehend gezeigt, dabei kommen ihre durchtrainierten Bauchmuskeln, was übrigens ihr Markenzeichen ist, gut sichtbar zur Geltung. Das Gesicht ist schattig vom schwarzen Schlapphut verdeckt. Die diversen Einstellungen sind vor allem da, um Janet zu präsentieren.

Der Mann rennt gehetzt durch eine menschenleere Küche, Janet in ruhigem Schritt hinterher. Dabei lässt sie ihren Schläger auf den Küchenboden fallen. Ohne Baseballschläger bewaffnet, haut sie jedoch mit einem fiktiven Schläger auf den Tank eines Wasserspenders, in dessen Wasser sich die Gestalt des Mannes spiegelt. Im selben Augenblick explodieren weitere Tanks, die nebeneinander an einer Wand aufgereiht sind, während der Mann an ihnen vorbeizulaufen versucht.
In Wechsel werden Janet und Missy gezeigt, wie sie den Refrain singend, durch einen Gang laufen und wie die Wassertanks explodieren.

1:34. Nächste Sequenz: Der Typ bleibt entsetzt stehen, im Gang kommen die fünf bizarren weiblichen Gestalten geradewegs auf ihn zu. Er dreht sich um und versucht fortzulaufen in die entgegen gesetzte Richtung, an einer Gang-Verzweigung vorbei. Doch auch hier kommen ihm die gleichen Gestalten, diesmal spiegelbildlich angeordnet, entgegen. Wiederum dreht er um, bis zur Verzweigung zurück, bleibt dort stehen und die Kamera schwenkt auf die andere Seite, wo nun seelenruhig Janet steht.

2:00. Nächste Sequenz: Janet sitzt in der Lobby des Hotels auf einem dunkelroten Längssofa frontal zur Kamera und singt ihren Part. Dabei hebt sie ihre linke Hand, auf der eine Spinne herumkrabbelt, bis vors Gesicht und verschluckt die Spinne auf sinnliche Weise. Immer wieder schaut sie beim Singen direkt in die Kamera.
Zur selben Zeit nun krabbelt die Spinne aus dem Mund des Mannes und läuft ihm übers Gesicht. Erschrocken bemerkt er, dass noch weitere aus seinem Mund herauskrabbeln, wirft sich auf den Fussboden und spuckt dutzende weitere Spinnen aus. Diese krabbeln weg nach vorn, wo nun Janet mit den bizarren Gestalten steht (2:20); sie fangen an zu pusten, was den Typ vom Fussboden abhebt und ihn in der Luft an das Tor hinter ihn drückt. Die Wesen pusten orkanartige Winde, sichtbar an den Verformungen des Gesichtes im Mund- und Backenbereich des Mannes.

2:36. Nächste Sequenz: Missy Elliot erscheint wieder vor einem ausgestopften, aufgerichteten Eisbären, ihren Part rappend. In einer weiteren Einstellung läuft sie durch einen der Gänge im Hotel, während der Mann am Boden unweit von ihr durch eine unsichtbare Kraft weggeschleift wird und sich windet.

3:04. Nächste Sequenz: Der Mann flüchtet sich auf eine Toilette und steigt auf die Kloschüssel. Das Schloss der Tür geht von alleine auf und Janet tritt zum Typ herein (3:13). Sie kommt ihm ganz nah ans Gesicht, singt ihren Part/redet ihm zu, wobei sich der Mann ängstlich abwendet. Janet zückt daraufhin ihren Lippenstift und malt ihn damit das Gesicht an; zuerst umrahmt sie seinen Mund und führt ohne abzusetzen den Stift um sein Gesicht herum. Als sie fertig ist, verschwindet sie und lässt ihn allein.

3:34. Nächste Sequenz: Der total verängstigte Mann rennt durch einen schmalen Gang zur leeren Tiefgarage bis zu seinem Auto, einem silbernen, aufgemotzten Mercedes. Sobald er ins Auto eingestiegen ist, macht sich das Auto selbständig: das Auto schaltet sich von alleine ein, die Türen schliessen sich von selbst, der Ganghebel setzt sich in Bewegung (Rückwärtsgang) und das Auto fährt rückwärts los, ohne dass der Mann Kontrolle über seinen Wagen hat.
Die Frauen, nun alle gemeinsam vereint, laufen durch die Garage zum Wagen. Sie tanzen und singen dabei. (3:56) Das Auto hält und die Autotüre öffnet sich, daraufhin wird der Mann von einer unsichtbaren Macht herausgerissen. Von dieser Macht wird er in die Luft geschleudert, tänzelnd, beinahe wie eine Marionette. Zum Schluss schlägt er sich zweimal mit seiner eigenen Faust ins Gesicht und schmeisst sich selbst zu Boden. Dort bleibt er erschöpft, beinahe regungslos liegen. Hier wiederholt sich nun der Anfang des Clips, indem sich Janet über den Mann beugt und ihm ins Gesicht den Text singt. 4:18. Ende.

2. Personenanalyse

Janet taucht zum ersten Mal gleich in der ersten Szene am Anfang des Clips auf. Ihre Aufmachung ist sexy, aber nicht billig. sie trägt ein bauchfreies, enges Jeanshemd (am Saum ausgefranst), das wiederum tief dekolletiert ist, damit ihre vielen Ketten und Anhänger noch besser zu sehen sind. Sie trägt auch zahlreichen Schmuck an den Händen, also Armbänder an den Handgelenken und einen Ring an der linken Hand, den man besonders gut sieht, als sie die Spinne verschluckt. Nicht zu vergessen, sind hier auch ihre schwarz lackierte langen Fingernägel, die unweigerlich an die Gothic-Szene erinnern.
Janet trägt eine schwarze Lederhose mit Applikationen um den Bund und an den Seitennähten. Wie bereits erwähnt entspricht ihr durchtrainierter Body (v.a. Bauchmuskeln) dem amerikanischen Körperbild.
Das Make-up betont ihr ganzes Auftreten. Die Augen sind wiederum in dunklen, und blauen (kalten) Farben umrandet. Ihr makelloses Gesicht kommt aber trotzdem in einigen Nahaufnahmen gut zum Vorschein.
Sie wirkt beherrscht, ruhig/lässig, selbstbewusst, sexy und stark (cf. Muskulöser Körperbau, Bauchmuskeln), mysteriös und gefährlich/bedrohlich. Sie spielt mit den Waffen einer Frau, im doppelten Sinne: einerseits mit ihren Reizen als auch mit einem Lippenstift, der als Waffe zum Instrument der Stigmatisierung des Mannes wird.

Als der Mann in der Poolhalle vor dem Spiegel steht, kann man ihn recht gut betrachten (cf. Anhang: stills). Der Mann ist gut gestylt, sauber und gepflegt im schwarzen Anzug zu sehen. In einer weiteren Einstellung sieht man auch sehr deutlich seinen goldenen Siegel-Ring am kleinen Finger. Alles Statussymbole, die von hoher sozialer Stellung und Wohlstand zeugen. Hier ist auch der Wagen nicht zu vergessen, den man sowohl am Anfang als auch am Ende des Clips sieht; ein aufgemotzter Mercedes europäischer Marke. Ebenfalls Statussymbol, das auf Mobilität und Imponiergehabe deutet und aus HipHop-Videos durchaus bekannt ist .

Der Mann selbst wirkt sehr selbstsicher, fast schon überheblich, man denke nur mal an seinen Blick in den Spiegel mit diesem Lächeln im Gesicht (still). Er wird als ein richtiger Macho, bzw. Player präsentiert. Sein anfängliches selbstbewusstes Auftreten ändert sich im Verlauf des Video-Clips; er flieht, rennt, versucht sich zu verstecken, aber entkommen kann er nicht, bis er total verängstigt (stigmatisiert) und erledigt auf dem Boden in der Tiefgarage liegt.
Die körperliche Unversehrtheit des Mannes bleibt zum Teil erhalten, denn keine von den Frauen und Gestalten tut ihm körperliches Leid an (kein Hand anlegen), verursacht ihm Schmerzen. Vielmehr handelt es sich um irgendwelche magischen Mächte und Kräfte, die heraufbeschwört worden sind. Die Qualen des Mannes spielen sich vielmehr auf psychologischer Ebene ab. Er ist Teil eines paranoiden Psycho-Spiels.

Missy Elliot ist im Gegensatz zu Janet Jackson weniger körperbetont gekleidet. Sie trägt einen roten Anzug im Country/Cowboy-Stil mit reichlich Applikationen an den Säumen. Sie entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal, daher wird auch nicht ihr Körper betont; Ihre Kleidung ist weit und lässig, sie hat auch keinen weiten Ausschnitt und nur wenig Schmuck. Sie strahlt jedoch trotzdem Macht und Stärke aus. Diese Wirkung wird vor allem auch durch die Einrichtungsgegenstände, wie die Bärenfelle oder auch der ausgestopfte Eisbär, und durch die Untersicht der Kamera evoziert, bzw. verstärkt. (Jäger schiessen Tiere, lassen sie ausstopfen und als Trophäen ausstellen). Solche Symbole der Macht zeugen von Stärke und Überlegenheit.

Die bizarren Wesen muten weiblich an (weibliche Rundungen) und sind nur mit einem Bandau-Top und Slip bekleidet, eine Aufmachung, die stark an die Filme „Blade Runner“ (1982, Ridley Scott) oder Luc Bessons „Das 5. Element“ (1997), beides Science-Fiction Filme, erinnert. Hier könnte es sich wohl um die, aus der griechischen Mythologie bekannten, Erinnyen (Furien; Rachegöttinnen) handeln. Diese lebten unter der Erde und stiegen hinauf, um alle zu verfolgen, die Unrecht auf sich geladen hatten. Sie waren gerecht, aber erbarmungslos und ließen keine mildernden Umstände gelten. In diesem Fall würde es sich aber um 5 Furien handeln, obwohl es ursprünglich nur 3 Rachegöttinnen waren. Diese im Clip steigen auch aus dem Nirgendwo heraus, wie dem Pool, Sofa, Flügel, Schublade und der WC-Schüssel. Vielleicht stellen sie auch Personifikationen von bösen Mächten und schwarzer Magie dar.

Was die Location betrifft, spielt sich das Geschehen des Clips in einem menschenleeren schlossartigen Hotel (cf. Tiefgarage, riesige Küche, lang Gänge) ab. Solch eine Location ist uns durchaus aus Horror/Thriller Filmen wie „The Shining“ von Stanley Kubrick (1980) bekannt. Die Einrichtung ist sehr nobel und edel. Von den Möbeln und Einrichtungsgegenständen bis zur reich verzierten Decke, ist alles auserlesen und von hoher Qualität. Leere Räume vermitteln jedoch etwas von Einsamkeit, Beklemmtheit und Angst und tragen allgemein viel zur düsteren, mysteriösen Stimmung im Video bei.
Auffällig ist auch, dass sich alle Szenen ohne Ausnahme in Innenräumen abspielen. Es erfolgt keine Abgrenzung zwischen Innen und Aussen (zwischen Natur und Architektur), kein draussen ist sichtbar, an dem man wenigstens die Tageszeit ablesen könnte. Auch damit wird das Gefühl von unmöglicher Flucht, Ausweglosigkeit und Eingeschlossenheit noch verstärkt.

Zum Eindruck der Bedrohung durch die Frauen tragen wesentlich die Kameraeinstellung und die Kameraperspektive bei. Solche durch die Kamera ausgedrückte Machtdarstellung spielt in HipHop-Videos eine wesentliche Rolle und ist eigentlich eher dem männlichen Geschlecht zuzuordnen.

Im Clip dominiert die Untersicht; der Betrachter fühlt sich klein und muss aufschauen, was formal den Respekt gegenüber den (diesen) Frauen bezeugt und als Unterstreichung von Bedrohung, Überlegenheit und Angst eingesetzt wird. Auch die Bewegung der Personen (Frauen) auf die Kamera zu vermittelt ein Zukommen auf den Betrachter und wirkt wiederum bedrohlich.

Was die Zitate im Clip betrifft, so sind diese auf Filme/Genre bezogen. Der Clip arbeitet u.a. mit Elementen des Horror-Genres und der Symbolik der Gothic-Szene (schwarze Nägel, Spinne, etc.), was wiederum eine Verwandtschaft zum Horror-Genre aufweist. Ausserdem spielen noch Elemente des Science-Fiction Genres mit rein.


3. Interpretation

Die Aufgabenstellung zu diesem Clip war, ihn unter dem Aspekt Frauenbilder/Männerbilder-Stile zu untersuchen. Hier werden männliche Darstellungskonventionen, die man vor allem aus HipHop-Videos kennt, von weiblichen Stars angeeignet.
In diesem Clip wird die Stärke der Frauen demonstriert und kann als Thema des Clips betrachtet werden.

Der anfängliche Macho (Player) wird von seiner/seinen ehemaligen Geliebten psychisch terrorisiert, um sein Leben muss er jedoch nicht fürchten. Er muss als Mann allenfalls damit rechnen, dass sich die Frauen auch rächen können; jedoch auf viel subtilere Art und Weise, in Form von paranoidem Psycho-Terror. Sie holen sich sogar Verstärkung durch schwarze Magie oder Voodoo, um dem Mann zu schaden.


Im Gegensatz zum Video von Kelis „Caught out there“, wo der Mann regelrecht misshandelt gezeigt wird, bleibt hier der Mann körperlich unversehrt, obwohl anfangs noch Janet Jackson einen Baseballschläger bedrohlich herumschwingt. Der Baseballschläger ist wohl ein gängiges Utensil in Videoclips (cf. Brandy, in: Richard S.92), mit dem (afroamerikanische) Frauen sich auch visuell von ihrer gescheiterten Beziehung „losschlagen“ und ihren Frust auslassen können. Jedenfalls wird der Mann im Clip nicht geschlagen; am Ende des Clips schlägt er sich zwar selbst, natürlich gelenkt von einer magischen Kraft. Auch die Szene in der Küche macht dies deutlich; Janet lässt den Baseballschläger fallen, der bis dahin als Drohmittel gegolten hat und schlägt mit einem fiktiven Schläger auf den Wassertank, bzw. das Abbild des Mannes.

Direkten Körperkontakt erfährt der Mann erst als er auf der Toilette von Janet mit dem Lippenstift bemalt wird. Den Akt des Bemalens des Gesichtes könnte man auch als eine Art Stigmatisierung betrachten. Der Mann wird mit einem typisch weiblichen Utensil gekennzeichnet, markiert und zwar im Gesicht, wo es jeder sieht. So ist er für jeden sichtbar als Player (Betrüger, Lügner, „Schwein“, etc.), auf den die Frauen normalerweise reinfallen.

Das Ziel ist es ja nicht den Mann körperlich für seine Taten (cf. Songtext) zu bestrafen. Janet Jackson will hier auch nicht als Männerhasserin dargestellt werden, sondern als selbstbewusste Frau, die weiss, was sie will und die sich im Notfall auch an einem Typen rächen kann. Im Text macht sie es nochmals deutlich, dass sie ganz gut alleine klarkommt und auf ihre Selbständigkeit besteht, jedoch nur Player ablehnt und nicht Männer im Allgemeinen (cf. Anhang: Songtext).


Missy Elliot ist da schon konkreter in ihrer Gestik und Mimik. In einer Einstellung macht sie eine Bewegung, als ob sie jemanden die Knochen brechen würde (cf. Text; „I’m a lover, not a fighter, but I crack your teeth“). Sie wirkt allgemein aggressiver und dominanter als Janet. Missy wird ähnlich wie ihre männlichen Kollegen aus der HipHop-Branche präsentiert. Als Frau behauptet sie sich schon viele Jahre lang in dieser Männerdomäne als sehr erfolgreiche weibliche Rapperin und Produzentin.

Was die Geschlechterdifferenz betrifft, werden die Frauen werden in diesem Musik-Videoclip nicht als schwache Individuen dargestellt und nur auf Äusserlichkeiten reduziert (Mühlen-Achs 2003, Götz 2004), sondern als starke und auch in gewisser Weise gefährliche Frauen präsentiert. Hier ist das männliche Geschlecht als hilfloses Opfer und Objekt weiblicher Macht und Rache vorgeführt; der Mann ist der Macht der Frauen hilflos ausgeliefert. Es ist auch niemand in diesem menschleeren Gebäude da, der ihm zur Hilfe kommen könnte.
Dabei ist das Geschlechterverhältnis nicht umgekehrt worden. Vielmehr wird hier Weiblichkeit nicht nach den üblichen Klischees präsentiert, sondern durchaus vielseitig dargestellt. Dazu gehört auch die Aneignung von Präsentationsstilen, die ursprünglich dem männlichen Geschlecht zueigen sind (wie Kameraperspektive, Gestik und Mimik, etc.).

Literaturverzeichnis:


Funk-Hennings, Erika: Musikvideos im Alltag: Geschlechtsspezifische Darstellungsweisen. In: Helms, Dietrich/ Phleps, Thomas 2003, S.55-67
Götz, Maya: Harte Kerle und schöne Frauen. Entwicklung der Geschlechterrolle in Film und Fernsehen. www.br-online.de/jugend/izi/text/mayahart.htm vom 2.4.2004
Mühlen-Achs, Gitta: Frauenbilder: Konstruktionen des anderen Geschlechts. In: Mühlen-Achs, Gitta/Schrob, Bernd (Hrsg.): Geschlecht und Medien. Reihe Medienpädagogik, Bd.7. München 2003, S.13-37
Neumann-Braun, Klaus: VIVA MTV! Popmusik im Fernsehen. Suhrkamp; Frankfurt/M. 1999
Neumann-Braun, Klaus/ Schmidt, Axel/ Mai, Manfred (Hrsg.): Popvisionen. Links in die Zukunft. Suhrkamp; Frankfurt/M. 2003
Hausheer, Cecilia/ Schönholzer, Annette (Hrsg.): Visueller Sound. Musikvideos zwischen Avantgarde und Populärkultur. Zyklop Verl.; Luzern 1994
Helms, Dietrich/ Phleps, Thomas (Hrsg.): Clipped Differences. Geschlechterrepräsentationen im Musikvideo. Transcript; Bielefeld 2003
Hickethier, Knut: Film- und Fernsehanalyse. 3. überarb. Auflage. J.B. Metzler; Stuttgart/Weimar 2001
Richard, Birgit: Repräsentationsräume: Kleine Utopien und weibliche Fluchten. Grotesken im HipHop-Clip. In: Helms, Dietrich/ Phleps, Thomas 2003, S.81-97

Seifert, Ruth: Machtvolle Blicke: Genderkonstruktion und Film. In: Mühlen-Achs, Gitta/Schrob, Bernd (Hrsg.): Geschlecht und Medien. Reihe Medienpädagogik, Bd.7. München 2003, S.39-56
www.imbd.com für Francis Lawrence
www.azlyrics.com für den Songtext/Lyrics