Heavy Metal FAKK II

Verpackung

Kennt man den Film - Heavy Metal F.A.K.K.2 - so wird einen die Verpackung nicht sonderlich überraschen. Vielmehr findet man seine Erwartungen fast schon übererfüllt. Der Film dreht sich explizit um martialische Gewalt, gerade auch sexualisierte Gewalt. Auf der Verpackung sieht man die Hauptdarstellerin Julie knieend auf einem Felsen, von Patronenhülsen umringt. Sie ist kaum bekleidet, jedoch bis an die Zähne bewaffnet, wobei selbst ihre spärliche Kleidung als Waffe fungiert. Sie trägt rote Strapsstrümpfe, einen roten Tangaslip und einen dazu passenden BH, außerdem einen schwarzen Strapsgürtel, lange schwarze Stiefel und ein Lederoberteil. An Schulter, Handgelenk und Knie sind krallenartige Harken befestigt, die Julies Körper in eine Waffe umfunktionieren. In der linken Hand, ihren Körper querend, hält sie ein rotes Kettensägenschwert und in ihrer rechten, zwischen ihren gespreizten Schenkeln hervorragend, ein Maschinengewehr. Zusätzlich führt Julie in ihrem Köcher, auf dem Rücken befestigt, ein weiteres Schwert und ein Gewehr. Interessant jedenfalls ist die Kombination aus archaischen, rituellen Waffen und modernstem High-Tech Kriegsgerät. Eine seltsame Synthese davon findet sich etwa in besagtem roten Kettensägen-Schwert. Hierzu korrespondierend trägt sie auf ihrer rechten Schulter eine ID-Nummer, ganz wie ein moderner Soldat. Die Abbildung oszilliert zwischen mythisch-archaisch und technologisch-futuristisch (Abb. 1).

Unter ihren roten Strapsen und schwarzen Ledermieder erkennt man einen stark durchtrainierten, muskulösen Körper. Ihre großen Brüste werden durch goldene Körbchen betont. Julie trägt ihre dunklen Haare hochgesteckt und schaut, die Lippen leicht geschürzt, aus ihren Augenwinkeln in Richtung des Betrachters. Obwohl, wie der Hintergrund erahnen lässt, sie kurz zuvor in einen Kampf mit monströsen Wesen verwickelt worden war, ist ihr Körper frei von Wunden, ihr MakeUp unberührt. Der Himmel ist flammend rot, verändert sich zur Bildmitte hin zu einem orangegelb, über eine neblig-weißlichen Bereich hinweg sieht man, dass der Felsen, auf dem Julie kniet, von Wasser umbranded wird. Der hierbei entstehende ,,heiß-kalte" Eindruck ist der gleiche, den auch die, ob ihrer Kleidung sexualisierte, jedoch in ihrem Blick abweisende Julie vermittelt. Aufgegriffen wird dieser Farbkontrast auch im Schriftzug "Heavy Metal", der in metallischem blau vor dem erwähnt flammend-roten Hintergrund platziert ist.

Auffällig ist weiterhin, dass auf der Rückseite des Booklet sich ein Symbol befindet, dass auf den ersten Blick an einen Dolch erinnert, auf den zweiten hingegen die Betrachterin an das wohlbekannte "Frauenzeichen" gemahnt. Weiblichkeit wird auch hier auf einer symbolischen Ebene zur Waffe.

Spielbeschreibung

Von Julies Vorleben wird im Laufe des Spiels so gut wie nichts bekannt, auch das begleitende Booklet gibt sich schweigsam. Einzig der Animationsfilm ,,Heavy Metal FAKK2'' gehört ein Stück weit zur Vorgeschichte. Sicherlich ist es deshalb interessant, den Film parallel zu betrachten, nicht zuletzt, da sowohl das Spiel als auch der Film im gleichen Jahr erschienen sind, was bedeutet, dass beide parallel produziert worden sind. Vorweg noch der Hinweis, dass der Titel eindeutig auf den Animationsfilm ,,Heavy Metal" verweist. Dieser erschien 1981, also zu einer Zeit, als der Musikstil Heavy Metal noch relativ jung und vor allen Dingen recht rebellisch war. Der Film "Heavy Metal" stellt im Wesentlichen eine Folge loser verbundener Episoden dar, in denen eine mysteriöse, schwebende grüne Kugel, die das Böse verkörpert, nacheinander die Protagonisten in ihr Verderben stürzt. Dieser Film, in der BRD nicht für Jugendliche freigegeben, zog seinen Reiz aus einer ,,Erwachsenen-Comic"-Ästhetik, in der Sex und Gewalt eine native Synthese eingehen. Bei diesen ,,Adult-Comics" handelt es sich aber, negativ formuliert, eher um die Visualisierung adoleszenter Phantasien 1. Nach der gleichen Ästhetik, aber im Gegensatz zu Heavy Metal mit einer durchgehende Geschichte versehen, hat Heavy Metal FAKK2 im Prinzip wenig mit dem Film von 1981 zu tun.

Die Hauptdarstellerin Julie lebt auf dem idylllischen Planeten Eden, dessen Bewohner aufgrund des Wassers unsterblich sind. Dieser Planet wird von dem skrupellosen, nach Unsterblichkeit suchenden Lord Tylor überfallen, die Bewohner ermordet und der Planet verwüstet. Einzige Überlebende sind Julies Schwester, die von Tylor gefangengenommen seinen Vergewaltigungsphantasien ausgesetzt ist, und eben: Julie. Diese macht sich auf zu einem Rachefeldzug, an dessen Ende sie Tylor tötet. Interessant ist eine Szene, in der Julie vollkommen entkleidet ihren Gegner verführt, um ihn während des ,,Liebesaktes" zu töten, ihr Ziel nicht erreicht, flüchten kann und Tylor seinen Rachewunsch folgendermaßen formuliert: ,,Ich wünschte, sie wäre unsterblich, dann könnte ich sie jeden Tag ficken und töten." Dies spricht im wesentlichen den ,,Reiz" des Films aus. Bestenfalls als finstere Apokalypse zu bezeichnen, hatte der Film keinen besonders großen Erfolg, möglicherweise aufgrund seiner inzwischen als überkommen geltende Bildästhetik, da in der Gegenwart sich Animationsfilme meist an die japanische Mangaästhetik anlehnen. Dies aber verweigert Heavy Metal FAKK2.

Das Spiel Heavy Metal FAKK2 bedient sich im wesentlichen der inzwischen als etabliert anzusehenden Quake Bilderwelt, was nicht weiter verwundern muss, da die Game-Engine die der "Quake III Arena" ist. Die Bildlichkeit ist also unterschieden, ebenso Julies Charakter. Wie im Laufe des Spiels nach und nach zu erfahren sein wird, hat Julie die Kolonie auf dem Planeten Eden vor ca. dreißig Jahren gegründet, nachdem sie in einem wahrhaft apokalyptischen Endkampf den dämonischen Gott "Gith" besiegte. Gith ist mehr oder weniger synonym zu Lord Tylor aus dem Film. Nach dieser Schlacht sammelte sie die "Heimatlosen" des Universums um sich und gründete besagte Kolonie. Julie ist also eine Art "gute Mutter", die Beschützerin der Bewohner Edens. Deutlich wird dies besonders in kleineren, belanglosen Gesprächen, die Julie mit ihren Mitbewohnern führen kann. Kurz gesagt hat sich die Figur des Films von einem apokalyptischen Racheengel in einen "Alma Mater" verwandelt. Sie verkörpert gewissermaßen eine Version des mythischen Prometheus: in einer Zwischensequenz erläutert ein alter Mann einem kleinen Mädchen die Geschichte Edens, in der Julie als die Gottestöterin und als Begründerin der Zivilisation bezeichnet wird. Bei dieser Erzählung sitzt der alte Mann an einem Brunnen, der mit einem Mosaik ausgestaltet ist: ein Porträt der Heldin (Abb.2).

Zu Beginn des Spiels findet die erste Begegnung mit der Heldin nach einem "Establishing Shot" statt, der in einer schwebenden Kamerafahrt rund um ihr Anwesen auf dem Planeten Eden führt: Sie steht auf einer Art Landungssteg über einem gigantischen Abgrund. Bekleidet ist sie in einem marinblauen, hautengen "ihre weiblichen Rundungen betonenden" Ganzkörperanzug. Julie wirkt sehr hochgeschlossen, einzig kleinere Bereiche an Bauch und Rücken lassen ein wenig von ihrer Haut sehen, und sie wirkt ein wenig wie eine Königin, die über ihrem Reich thront (Clip 1). Während der ersten Level des Spiels kann man den Heimatplaneten Julies wohl kaum anders als idyllisch bezeichnen. Känguruhartige Wesen springen durch die Gärten, die Bewohner von Eden beschäftigen sich hauptsächlich mit Ackerbau und Viehzucht. Interessant ist, dass Julie selbst keine Aufgabe in dieser Agrarwirtschaft zukommt, sie ist die einzige Waffenträgerin, und das obwohl den Bewohnern Edens in den vergangenen Jahren keine Gefahr drohte. Das Unglück bricht dann allerdings in Form von grün-fluoriszierenden Asteroiden über Eden herein. Diese haben die Eigenschaften, die Tierwelt Edens zu mutieren. Aus den besagten känguruhartigen Wesen werden so bösartige Monster, die Bewohner und das Vieh Edens werden von ebenso grün-fluoriszierenden Insekten angegriffen und Julie wird zu erneutem Kampf genötigt.
Deutlich wandelt sich Julies Aussehen, aber auch ihr Charakter über die verschiedenen Level des Spiels. Wirkte sie, wie gesagt, zu Beginn doch eher hochgeschlossen und in der Tat dabei seriös, so findet die erste "Verwandlung" in der Spielstufe unmittelbar nach dem ersten Endgegner statt. Julie wird auf ihrem Weg in die Unterwelt Eden von einem bedrohlichen Monster gefangengenommen und nach einer Schwarzblende sieht man sie dann zwar im gleichen Outfit, dieses ist jedoch zerfetzt. Julies lässt viel von ihrer Haut sehen. Besonders prägnant ist ein doch recht ,,dekorativer'' Riss, der Julies linke Pobacke nahezu vollständig entblößt (Abb.3).
Augenfällig wird Julies erneute Regression zu einem Racheengel dann aber erst im nächsten Level. Nachdem die Aliens endgültig die Invasion des Planenten Eden gestartet haben, sieht man in einer Zwischensequenz Julie in einem unterirdischen Labor. Umhersehend gewahrt sie auf einer Art Kleiderhaken ihr neues Outfit. Nach einem Schnitt sieht man sie dann in der Kombination aus roten Strapsen und schwarzem Mieder, wie er schon anhand der Verpackung beschrieben worden ist. Diesmal ist auch Julies Charakteränderung deutlich in Szene gesetzt: hüftschwingend, in einer Art Tanzbewegung hört man sie sagen: "Groovy, it's time to kick some butt." Sie scheint so langsam gefallen am erneuten Kampf gegen eine finstere Bedrohung zu finden (Clip 2).
Eine Steigerung erfährt Julies martialischer Auftritt noch einmal in auf dem Weg zum Finale. Inzwischen nur noch in schwarzem Ledermieder gekleidet, wird ihr Hals von einer Art Dominahalsband umschlossen (Abb.4). Die intime Einheit von Sex und Gewalt, die bereits den Film Heavy Metal Fakk2 bestimmte, findet in der Protagonistin des Spiels ihre Wiederkunft... .

In der Tat braucht es noch nicht einmal unbedingt ein solch expliziten Hinweis auf Julies Rolle als Sexualfetisch. Bereits in der ersten Spielstufe, als Julie - nach wie vor vollkommen bekleidet - auf ihre ersten Gegner, die mutierten Insekten trifft, können sich schon solche Phantasien entspinnen, wie einer Spielkrittik zu entnehmen ist:

"[...] Ich zücke jetzt mein Schwert und mach euch alle, habt ihr mich verstanden!?! Jetzt hole ich zum Angriff aus. Ooh, du armes Libellchen, habe ich dir wehgetan? Fühlt sich echt blöde an, in zwei Hälften geteilt zu werden, oder? Der nächsten verpasse ich gleich einen gewaltigen Schwerthieb. Jetzt die Nächste... ...Uff, endlich habe ich auch die Letzte zur Strecke gebracht. War schon ein kleines Stück harter Arbeit. Mein Dress ist schweissdurchtränkt und klebt an meinem Körper. Fühlt sich aber irgendwie gut an [...]"2.
Man könnte meinen, dass diese sinnlich haptischen Formulierungen des Autors, bereits zu einem recht frühen Zeitpunkt im Spiel eine entscheidende "Qualität" des Spiels herausstellen. Im Laufe des Spiels wird es zunehmend expliziter, die Kostümierungen der Protagonistin verweisen immer deutlicher auf eine "handgreifliche Sexualität", Julie gemahnt an eine Lack und Leder -Domina, entstiegen einer SM-Phantasie.

Wie das Spiel die Phantasie seiner Rezipienten beflügelt, lässt sich auch sehr schön an einer Fansite im Internet erkennen, die eine ganze Reihe von digitalen "Airbrushs" versammelt, dessen Thema, dessen Motiv immer die Heldin des Animationsfilms und Computerspiels Julie ist. (Auswahl) Auch das organische Vorbild Julie Strain bedient an dieser Stelle das Begehren ihrer Rezipienten, wie einige quasi-Nacktfotos im Julie-Outfit erahnen lassen.

Ist es wirklich so, wie die Softporno- und B-Movie Darstellerin Julie Strain behauptet, und alles spricht dafür, dann ist die Verquickung von Computerspielheldin und männlichem Begehren viel weniger eine Sache der Analyse, wie bei Lara Croft, sondern dem Spiel explizit implizit. Was dem Spiel Tomb Raider von seinen Fans mit dem sog. "Nude Raider Patch" dem Spiel sicherlich nicht ohne ein gewisses Maß an Ironie hinzugefügt wurde, ist bei Heavy Metal FAKK2 Bestandteil des Spiels. Wenn auch die Hauptdarstellerin nicht vollkommen entblößt vorkommt, so doch in ihrem Ledermieder sicherlich nicht weit davon entfernt. Trotzdem wirkt Julie innerhalb ihrer virtuellen Umgebung in Film und Spiel nicht deplatziert. Das Setting ist eine Fantasy-Welt, innerhalb derer martialisches Auftreten als legitim erscheint. Keines der Elemente im Spiel lässt in irgendeiner Weise den Verdacht aufkommen, hier solle ein naturalistisches Szenario entworfen werden. Die Bewaffnung der Protagonistin sowie ihre an Alptraumphantasien gemahnenden Gegner relativieren dann auch in gewissem Maße Julies sexualisierte Erscheinung. Die Spieleheldin Julie ist eine durch und durch ambivalente Gestalt. Der heiß-kalte Eindruck der Spieleverpackung, ihre Regression von der guten Mutter zum Racheengel, ihre grade aufgrund der fetischisierten Darstellung Unnahbarkeit verleihen ihr eine verwirrende Subjekt-Position, die sie sowohl zu einem Objekt männlichen Begehrens macht, als auch Ermächtigungsphantasien weiblicher Spieler aufgreift.

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