InterCool 3.0 Jugendliche Bild - und Medienwelten
Leitung Prof. Dr. Birgit Richard

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Kurzkonzept

Idee und Konzept, künstlerische Leitung und Geschäftsführung:  Prof. Dr. Birgit Richard
Realisation: in Kooperation mit dem Dezernat 4 der Stadt Dortmund, namentlich Stadtrat
 J. Stüdemann und Kulturbetrieben/ Kulturbüro der Stadt Dortmund (Herrn Rinsche u.a.TWINS)  und HARTWARE Medienkunstverein Dortmund (Geschäftsführerin Susanne Ackers, künstlerische Leiterin Dr. Inke Arns)
KuratorInnen: Prof. Dr. Birgit Richard; Dr. Inke Arns, N.N.

                                                                                              
Frame:
Dieses Projekt nimmt die programmatischen Leitlinien von „Ruhr 2010“ als Basis: Die Ausstellung wird bei einer starken Verwurzelung in der Region, die sie als Ausgangspunkt nimmt, die europäischen Dimensionen von jugendlichem Leben in den Blick nehmen. Getreu der Programmatik „Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel“ setzt sich die Ausstellung mit aktuellen künstlerischen Strömungen auseinander und zeigt in der Ausrichtung auf die Zielgruppe von jungen BesucherInnen neue Formen von kulturellem Dialog und Aktionen. Kunst und Kultur sollen Anstoß für Kinder und Jugendliche bieten, sich selbst mit denen für sie wichtigen Themen auseinanderzusetzen. Sie sollen Raum für eigene kulturelle Äußerungen im Rahmen von interkulturellen Projekten und Wettbewerben erhalten, die mehrsprachig über verschiedene Medien wie Website, DVD und Kataloge ins europäische Ausland kommuniziert werden.

 

Abstract:
Die Ausstellung zeigt Ausschnitte aus den globalen und lokalen Lebenswelten von Jugendlichen. Im Fokus stehen Kommunikationsmedien und –inhalte: also Leitmedien wie Handy, Internet oder Mode, die kultur- und religionsübergreifend auf ein internationales Publikum ausgerichtet sind. Spezifische Schlüsselthemen nehmen Kids und Jugendliche in Beschlag: Ganz im Vordergrund steht das Bedürfnis nach realer und medialer Kommunikation und nach Austausch in Beziehungen mit Peers und medialen Freunden und Communities über die Grenzen der eigenen Lebenswelt hinweg (Interkulturalität) und der starke Wunsch nach Partizipation. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Verbindungen und Diskrepanzen zwischen realen materiellen Welten von Strasse und Schule und den virtuellen Welten im Internet (Communities). Ins Blickfeld gelangen auch die Symbolwanderungen von entgrenzten jugendkulturellen Elementen und Symbolen (wie z.B. im Moment der omnipräsente Totenkopf), die im Spannungsfeld von Vereinnahmung (Kulturindustrie) und Widerstand (jugendlicher Eigensinn) aus gehandelt werden. Neben grundlegenden Themen der Jugendlichen sollen vor allem auch die kreativen Köpfe der jungen Generation in den Mittelpunkt gerückt werden, diejenigen, die Styles schaffen und weiterentwickeln, ob in ihrer Kleidung ihrer Musik oder ihren Videos z.B. auf Youtube, wo sie neue Kunstformen hervorbringen.
Hierfür wird eine spezielle Ausstellungsarchitektur entwickelt, die an die Räume der Jugendlichen anschließt.

 

Thematische Epizentren:
In thematischen Epizentren entstehen interaktive Bedeutungsräume, die im Ausstellungskontext die jugendlichen Schlüsselthemen dynamisch präsentieren: die Unsicherheit im Umgang mit dem eigenen Körper und das Riskieren der eigenen Person in der Selbstdarstellung, die Gleichzeitigkeit von Nähe und Ferne in der Neugier auf das kulturell Andere, die Faszination der Mobilität (Generation Fernreise) bei gleichzeitiger permanenter medialer Verbindung zum Vertrauten, die das Wagnis des Fremden wieder abmildert, das grenzenlose Leben im Netz (Web 2.0) als Erweiterung des Eigenen (Chat ICQ) und Übersiedlung in den virtuellen Raum (Second Life). 

  • I/ me = Selbstdarstellung medial (Casting, youtube, flickr, Partyportale, privat/ öffentlich)
  • Are U Hot? Body Karoake = Selbstdarstellung material (z.B. Schönheits OPs)
  • Liebe, Friends und communities
  • Home/ Heimat –Exil: Mix: Interkulturell (TV Serien und Soaps: z.B. Meine verrückte türkische Hochzeit)
  • Styles: New Subcultures und Fight the power (Subversion und Widerstand; Reclaim the streets mit ästhetischen Mitteln, z.B. friedliche Proteste gegen den G8 Gipfel)
  • Wetteifern: Response und Battle (Battle of the year)
  • Mobil: Reisen und autonome Bewegung im öffentlichen Raum
  • Moves: Dance + Sport (X-trem: Bike Trial, Parkour; Normal: Cheerleading…)
  • Spielen: z.B. Games
  • Brands und BlingBling vs. No Logo und Prekariat (Armut aber auch neue Nachhaltigkeit stylische ÖkoLabels wie American Apparel)

 

Die drei Säulen der Ausstellung:
Inter_Cool wird keine klassische Kunstausstellung sein – nicht nur für Erwachsene über Jugendliche, sondern für Jugendliche mit ihnen. Als Kategorien der Ausstellungsobjekte sind zu nennen:

  • Bildende Kunst: Fotografie, Video, Webclips, interaktive Installationen, Street-Art

Hier liegt der Schwerpunkt auf jungen internationalen KünstlerInnen (Künstlerliste soll  mit Jugendlichen weiterentwickelt werden)

  • Alltagsgegenstände und Objekte (z.B. Jugendkulturarchiv Frankfurt) Designertoys
  • U-Galerie: Objekte und kreative Erzeugnisse von Kids/ Jugendliche/ junge Erwachsene: Wettbewerbe (Fotos, Handyvideos, Mobile Filme, Webcam_performances, Dance usf.) in Zusammenarbeit mit Schulen und der Jugendarbeit vor Ort.

Background: Diese Art der Konzeption war bereits sehr erfolgreich im Rahmen der internationalen Ausstellung „Coolhunters“ 2005 und 2006. (Karlsruhe, Wien, Budapest) (www.coolhunters.net).
Auswertung der coolhunters:style Studie (370 Fragebögen): 95 % von 370 befragten Jugendliche evaluierten die Ausstellung als gut und interessant

 

Eckdaten:
Wann: 17. September-  28. November 2010 (Start in Dortmund)
Orte:   Das U (ehemalige Union Brauerei) in Dortmund nach dem Umbau

und im TWINS 2010 Netzwerk sind weitere Stationen (Partnerstädte):
Phase I
- Leeds (Partnerstadt Dortmund)
- Wien (Schwechat) geplant in Kooperation mit dem Künstlerhaus Wien, Ansprechpartner Mag. Peter Bogner Leiter)
- Tampere  Finnland Museum für Arbeit (Finnish Labour Museum; Ansprechpartner Harald Groos und Virve Manninen) (Partnerstadt Essen)

Modellcharakter: Es gibt nahezu keine Ausstellung, die Kunst, Design und Alltagswelten verbindet (Ausnahme die von mir mitkuratierte Ausstellung Coolhunters oder „Sonne, Mond und Sterne“ auf der Zeche Zollverein, „Der Ball ist rund“ (Gasometer Oberhausen). „high“ und „low“ sind im Ausstellungsbetrieb immer streng getrennt; bildende Kunst und Alltagskultur werden bis auf wenige Ausnahmen niemals zusammen ausgestellt, nur in getrennten Museen. Bei Inter_cool geschieht die selbstverständliche Vermischung über die thematische Felder, die sogenannten Epizentren. Klassische museale Ausstellungskonzepte stellen zudem meist nicht ein jugendliches Zielpublikum in den Mittelpunkt (Ausnahme ZKM); ganz zu schweigen von der direkten  Partizipation von Jugendlichen unterschiedlicher Kulturen in Zusammenarbeit mit Künstlern. Diese Ergebnisse bekommen nie einen direkten Raum in der Ausstellung selber. Über jugendnahe Medien wie z.B. Online Video oder Fotosharing ist dies hier nicht nur unmittelbar möglich, sondern auch ausdrücklich erwünscht und nicht nebenher laufendes Seitenprodukt der Museumspädagogik.
Damit bekommen die Jugendlichen hier die Gelegenheit über geographische und kulturelle Grenzen hinweg gemeinsam kreativ mit den Medien zu arbeiten.  
Bei Inter_cool verbinden sich Urbanität und Kreativität, Jugendkulturen entstehen im Schmelztiegel der Städte, wie z.B. auf den Strassen der Ruhrgebietsstädte und ihrer Partnern oder in jugendkulturellen Einrichtungen. Besonders die jugendliche Identitätssuche zeigt gesellschaftliche Widersprüche deutlich auf. Die Ausstellung geht behutsam mit der Identität der Jugendlichen um. Es besteht die einmalige Chance zur globalen Zusammenarbeit über das Internet in und um die Ausstellung herum, kulturelle und religiöse Differenzen stellen kein Hindernis im Internet dar. Die angebotene interkulturelle Kommunikation über Inter_cool Plattform lässt Platz für Phantasie und Visualisierungen der eigenen Wünsche und Träume, aber keinerlei Platz für Vorurteile.

 

Nachhaltigkeit auf zwei Ebenen:
Die nachhaltige Vernetzung der Kooperationspartner des TWINS Netzwerks findet vor allem durch die gemeinsame Nutzung der zweisprachigen (englisch-deutsch, je nach Finanzvolumen mehrsprachigen) Webplattform statt, die im Rahmen von Ruhr 2010 aufgebaut wird und als Projekt- und Workspace dient (interne und externe Workspaces werden eingerichtet, das Ziel sind Projektforen zu Thematiken, die die europäische Jugend bewegen). Zudem finden alle Vorbereitungen und Hinführungen zur Ausstellung in der virtuellen Zusammenarbeit mit den Projektpartnern über die Website statt.
Während der Ausstellung laufen dann die Diskussionen und Chats mit Jugendlichen aus den europäischen Partnerstädten parallel, so dass auch in der Ausstellung direkt die Kommentare kreative Arbeiten von europäischen Jugendlichen in Form von Fotos und Videos aus anderen Städten in der Ausstellung zu sehen sein können.
Nach den Ausstellungen, die nur Kick off für die gemeinsame kreative Arbeit sein sollen, können Jugendliche eigene Arbeiten hochladen und sich über einen Weblog aktiv bestätigen, so wird dann eine wachsende internationale community aufgebaut, die ganz auf die Partizipation von Jugendlichen setzt. Gleichzeitig sind Website/Weblog mit einem ca. einjährigen Start vor der Ausstellung schon als Informationsplattform und Möglichkeit Arbeiten einzureichen präsent.
Ziel ist dann die Entwicklung weiterer Kooperationsprojekte, die auf der inter_cool Plattform als Workspace weiterentwickelt werden können; künstlerische Projekte im Netz mit Jugendlichen in Kooperation mit den TWINS Partnern.

 

Inter_cool 3.0 ist somit keine klassische Wanderausstellung, sondern nur der materielle Kern, an den durch die Entwicklung von Ausstellungsteilen vor Ort in den Partnerstädten mit Jugendlichen weitere angelagert werden.

Dokumentation:
DVD für Jugendliche und interessierte Erwachsene, Schulen und Jugendeinrichtungen
Katalog/Publikation für erwachsenes Publikum, Wissenschaftler, Kunstinteressierte

Rahmendaten
Dauer:             3 Monate pro Standort voraussichtlicher 17. September-28. November 2010
Grösse:            variabel von 1000 m2 (eine Etage des U)
Medien:          Katalog, Website mit Weblog, DVD
Aktionen:        in Kooperation mit Trägern von Jugendarbeit in der Region, Wettbewerbe/ mit den Abteilungen Visuelle Bildung in dem jeweiligen Museum